Dominik Frey: GOONIE - der personifizierte Trübsinn
Es ist nicht leicht, mit einem Partner wie Goonie ein Turnier zu überstehen. Denn selbst wenn du dein erstes Spiel 3:0 gewonnen hast, und alles wunderbar läuft, wenn die Raumtemperatur und die Verpflegungslage optimal sind, wenn der Vorabend in keiner Weise exzessiv war, selbst dann wirst du es schwer haben, wenn sich bei Goonie schleichend der allseits gefürchtete Turnierkiller einschleicht: der Trübsinn.
Wie gesagt, es lief alles optimal, bis es nach dem ersten Spiel, das wir 3:0 gewonnen hatten, hieß: "Ich danke dir" (unser Teamname) spielt an Tisch eins!
Goonie blinzelte nervös zu mir herüber: "Oh je, an dem Tisch lief´s bei mir noch nie." Goonies Bedenken richteten sich allerdings nicht gegen die Tischnummer, sondern vielmehr gegen den Standort des Tisches so nah am Fenster. Ich versuchte ihn zu beruhigen, doch da war es wahrscheinlich schon zu spät. Als uns dann die Gegner (Billy Boys) bekanntgegeben wurden, war ich in absoluter Höchststimmung ("Kanonenfutter"), während Goonie sich schon in sein Verliererschicksal zu fügen schien. Das Phänomen der „self-fullfilling prophecy" war schließlich stärker als mein Siegeswille. Wir gingen 0:1 in Rückstand - Gift für Goonies Gemütslage!
Im zweiten Satz begann der Trübsinn sich richtiggehend breitzumachen. Normalerweise nähert sich der Trübsinn schleichend durch die Hintertür; bei Goonie polterte er lauthals durch´s Hauptportal. Die Anzeichen für den sich einstellenden Trübsinn waren bei Goonie äußerst prägnant, nicht zu verheimlichen. Da halfen selbst die lautesten Blatt-Lobpreisungen meinerseits nichts: Goonie war ganz unten.
Beim Aufnehmen der Karten fängt es an: Jede Karte einzeln, wobei sich die Miene proportional zur Anzahl der eingesehenen Karten verfinstert.
Hat er dann das Blatt in seiner vollendeten Beschissenheit wahrgenommen und auf der Hand, hält ihn nichts mehr.
Zur entsprechenden Miene kommen akustische Signale wie schnaubendes Ausatmen oder gar klar formulierte Idiome wie "Oh Gott, oh Gott" oder "Schau doch mal!".
Dann geht es weiter in den Keller mit ihm:
Sitzt er in Vorhand, gehen beide Augendeckel sekundenlang nieder, um Mus zu signalisieren, sitzt er in Rückhand, verlangt er nach Mus - egal was der Partner in Vorderhand auf der Hand hält. Meistens jedoch wird in dieser Phase früh geschnitten, so daß der Trübsinn immer gewaltiger wird.
Goonie beginnt dann, in seinen Haaren zu zwirbeln, aus dem Fenster zu stieren und "oh Gott, oh Gott" oder "Schau doch mal!" zu murmeln. Seine Mundwinkel hängen jetzt so tief, daß er kaum noch ein "paso" formulieren kann (geschweige denn ein "envido" oder gar "ordago").
Diese absolute Passivität ist das schlimmste am Phänomen Trübsinn, denn man ist von nun an ganz auf sich und sein eigenes Blatt angewiesen. Vom Partner kommt nichts mehr außer Stöhnen, "mus" oder "paso". Selbst ein gutgemeinter Klaps, ein ihm servierter „LÖWI Isosport" bringt rein gar nichts.
So verloren wir auch den zweiten Satz gegen die Billy Boys. Wie durch ein Wunder konnten wir auf 2:2 ausgleichen. Doch mit Gevatter Trübsinn im Nacken hast du keine Chance, ein Spiel zu gewinnen.
Dies verdeutlicht unsere Turnierbilanz: Außer beim ersten Spiel, welches wir 3:0 gewannen, stand es jedes Mal 2:2 unentschieden, bevor wir im letzten Satz sang- und klanglos untergingen. Das ergibt zwar eine glänzende Satzbilanz (11:12), jedoch eine verheerende Punktebilanz (2:8) und somit den letzten Platz im Turnier.
Ich danke Dir, Goonie.